Liegt das Web im Sterben?

Das Magazin Wired hat einen sehr interessanten Artikel geschrieben, der nun auch hier von Spiegel Online aufgegriffen wurde, in dem die Autoren das Web für tot erklären und letztlich zu der Folgerung kommen, dass das Internet künftig noch stärker als bisher im Korset der “Matrix des Kapitalismus” leben würde.

Eine durchaus schlüssige und zugleich zutiefst erschreckende Vision, bei der wie so oft wieder einmal nur gelten kann “wehret den Anfängen”!!!
Denn wenn man sich heute einmal umsieht, dann ist es in der Tat so, dass man das Internet im immer stärkeren Maße über die Apps vom iPhone, dem Androidhandy oder dem Blackberry nutzt. Oder aber, man verbringt einfach seine Zeit in relativ geschloßenen Systemen, wie Facebook.

Der Endverbraucher wird also wieder zum bequemen Konsumenten und verlässt in immer stärkerem Maße die Rolle des Aktiven. Des Nutzers, der aktiv sucht, oder aber gleich des Kreativen, der das Internet, pardon das Web aktiv mitgestaltet. Kurz: In dem Maße, wie der Browser gegenüber den Apps an Bedeutung verliert, schwinden die Freiheiten des Internets, die die Grundlage des so erfolgreichen Webs bilden und wird das Internet immer stärker kommerzialisierbar und dabei auch kontrollierbar.

Doch was bedeutet das nun?
Zunächst bedeutet es zweierlei scheinbar positive Dinge: 1. Produzenten, die in welcher Art auch immer Dienste oder Content anbieten, können damit leichter Geld verdienen.
2. Das Internet wird für den Normalbenutzer leichter bedienbar und übershaubarer.

Aber wenn man mal kurz inne hällt und über diese Entwicklungen nachdenkt, merkt man sofort, dass dies eigentlich negative Dinge sind. Denn dem Hype um iPhone, Android und den Apps zum Trotz, entsteht so der passive Konsument. Der klassische Nutzer der Massenmedien des vorigen Jahrhunderts. Der willenlose Konsument, der sich dauerberieseln lässt, anstatt selber kreativ tätig zu werden und sich und die Gesellschaft voran zu bringen. Das können wir nicht ernsthaft wollen.

Vielmehr muss es darum gehen, dass wir die Freiheiten des Webs verteidigen, so wie Stallman in dieser Rede die Freiheiten der Free Software verteidigt.
Wir müssen begreifen, dass es die komplexe Vernetzung und die Kreativität der Einzelnen im Netz sind, die dafür gesorgt haben, dass das Web nun schon seit so langer Zeit als Motor der Inovation fungiert.

Und hier liegt auch schon das Problem darin, dass es derzeit leichter fällt auf der Appschiene Geld zu verdienen.
Denn um es klar zu sagen: Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn im Internet Geld verdient wird. Das ist nur legitim. Schließlich freue ich mich auch über jeden Cent an Werbeeinnahmen, die dieser Blog generiert.
Das Problem ist, dass das Geschäfftsmodell bei den Apps auf Kontrolle basiert. Kontrolle erstickt jede Kreativität und jeden freien Austausch.
Nicht umsonst ist das Web ohne große Türsteher zu dem Erfolg geworden, der es ist. Und nciht umsonst sind die frühen geschloßenen Systeme, wie AOL am Ende alle kläglich gescheitert.

Gerade in dieser Hinsicht könnte man nun auf Google hoffen. Hat Google doch ein reges Interesse daran, dass sich die Kommunikation wieder im Browser abspielt un dsomit für Google wieder durchsuchbar wird. Entsprechend stark angagiert sich Google ja auch im Bereich Html5.
Doch leider hat Gogle ja vor kurzem “eingelenkt” und verlautbaren lassen, dass das Mobileweb in der Tat andere Dinge brauche, wie das klassiche Kabelgebundene. Defacto war dies der Abgesang auf die Netzneutralität, die viraler Bestandteil des Netzes war, zum Glück noch ist und hoffentlich auch weiter bleiben wird.

Wie man sieht, wird das Modell des Webs von vielen Seiten ins Kreuzfeuer genommen. Von Konzernen wie Apple oder leider auch Google, von Mobilfunkprovidern und zuletzt leider auch vom Nutzer selbst durch seine Bequemlichkeit.

Sicherlich muss es nun nicht dazu kommen, dass die Vision, die in dem Artikel von Wired gezeichnet wird, tatsächlich Realität wird. In der Tat ist es sogar gar nciht so unwahrscheinlich, dass das Phänomen der Apps wirklich nur eine Übergangslösung ist.
Dennoch wird im immer stärkeren Maße klar, dass es zwingend nötig ist, dass wir uns der Freiheiten des Webs wieder bewußt werden und diese zu schätzen lernen, um diese dann in letzter Instanz auch erfolgreich verteidigen zu können. Denn soviel ist klar: Die Freiheiten des Webs brauchen heute mehr denn je Menschen, die für ihren erhalt breit sind zu kämpfen.

Ähnliche Artikel

One Comment

Leave a Reply

Your email is never shared.Required fields are marked *