Twitter-Clients für Linux im Vergleich: Gwibber und Choqok

Heute habe ich bei mir mal Gwibber 2.30 installiert und ausprobiert, so dass ich es nun nach einem kleinem Kurztest mit Choqok 1.0 Beta 1, welche ich hier bereits ausführlich vorgestellt habe, vergleichen möchte.

Doch zunächst und vor weg ein paar Worte zu der Installation unter openSUSE 11.2. Das Gwibber-Packet, dass openSUSE direkt anbietet, darf mit Version 1.20 als völlig veraltet angesehen werden. Insofern sollte man die aktuelle Version am besten via SUSEs OneClickInstall einspielen. Dabei gibt es dann jedoch ein paar Probleme. Gwibber bringt nämlich reichhaltige Abhängigkeiten von Python und Gnomekomponennten mit. So dass ich als KDE-Nutzer zunächst einmal ordentlich Packete installieren mußte, um Gwibber überhaupt installieren zu können, bzw. ans Laufen zu bekommen. Sehr störend war hierbei auch, dass die Abhängigkeit von Python-Curl sich nicht automatisch auflösen lies, so dass ich auch dieses Packet zunächst via OneClickInstall einspielen mußte.
Insofern war meine Laune schon relativ schlecht, als ich die Installation endlich hinter mich gebracht hatte. Diesen Umstand rechne ich Gwibber jedoch nicht negativ an, da es sich hier eher um ein SUSE spezifisches Problem handeln dürfte und die Installation unter anderen Distributionen wahrscheinlich unproblematischer verläuft.
Aber genug der Vorrede:

Gwibber hat für meinen Geschmack zuviele Abhängigkeiten von Python, was den ersten kleinen Minuspunkt bringt. Auch sieht es erwartungsgemäß unter KDE aus wie ein Fremdkörper. Dies stört mich persönlich etwas, fließt aber nicht negativ in die Bewertung ein, da umgekehrt ja auch Choqok unter Gnome aussieht wie ein Fremdkörper.
Das Menü von Gwibber ist recht spartanisch, so dass mir persönlich hier viele Einstellungsmöglichkeiten fehlen. Dafür legt Gwibber jedoch im KDE-Menü unter Internet-Chat gleich 3 Einträge, für sich und einzelne Menüpunkte an. Ein wenig arg over the top für meinen Geschmack und schon fast unverschämt. Unpraktisch ist es ohne hin. Hier also ein klares Minus.
Die Tatsache, dass man bei Gwibber verschiedene Streams nebeneinander anzeigen lassen kann, fand ich im Vorfeld recht spannend und vielversprechend. Nun muss ich aber feststellen, dass es absolut nicht meiner Art entspricht zu arbeiten und es mich eher irritiert und alles irgendwie unübersichtlich macht. Zumal eine Möglichkeit fehlt, Nachrichten als gelesen zu markieren. Für die fehlende Möglichkeit, Nachrichten als gelesen zu markieren, gibt es wieder ein Minus. Die Art der Oberfläche bewerte ich mal nicht negativ, da dies letztlich Geschmackssache ist. Die Anordnung als Tabs von Choqok gefällt mir jedoch deutlich besser.
Bei Gwibber kommt die Sidebar einer Anordnung in Tabs relativ nahe, jedoch sind die Reaktionszeiten hier extrem träge, so dass es auch hierfür keinen Pluspunkt gibt. Prinzipiel fehlt beiden Programmen eine Möglichkeit, die Darstellung umzustellen auf die Art, wie das jeweils andere darstellt.

Beide Programme unterstützen neben Twitter auch noch andere Dienste. Bei Gwibber fällt die Auswahl jedoch größer aus. Insofern hier ein kleiner zaghafter Pluspunkt. Denn für mich persönlich muss ich hier wieder stark einschränken, da ich von den angebotenen Diensten nur drei nutze. Nämlich Twitter, Facebook und Flickr. Da mir recht schleierhaft war, was die Anbindung an Flickr bringen soll, habe ich sie gar nicht erst ausprobiert. Bei der Anbindung an Facebook wäre interessant gewesen, ob meine Tweets bei Twitter dann doppelt in meinem Facebook-Account erscheinen, da Gwibber sie bei Facebook hochlädt und Facebook sie zugleich bei Twitter abholt. Herausfinden konnte ich dies allerdings nicht, da ich nachdem ich die Verbindung von Gwibber mit Facebook hergestellt habe und etliche einzelne Genehmigungen erteilen mußte, festellen durfte, dass sich hier überhaupt nichts tut.
Da ich nun nicht weiß, ob der Fehler an Gwibber selber liegt, oder an dem Packet von SUSE, bewerte ich dies mal nicht. Feedback, ob es bei anderen von euch funktioniert wäre mir aber sehr willkommen.

Doch nun weiter mit dem, was mich bei Gwibber stört: Es fehlt eine Möglichkeit, Fotos direkt an Twitpic oder einen anderen Dienst hoch zu laden. Klares Minus. Aus ist es einfach zu unübersichtlich, da man Nachrichten nicht als gelesen makieren kann. Wie bereits erwähnt: Minuspunkt. Außerdem nutzt es keinen Benachrichtigungsdienst, woran man erkennen kann, ob die Nachricht nun erfolgreich verschickt wurde. Auch hierfür Minuspunkt. Den URL-Shortener kann man nicht wie bei Choqok frei wählen. Also auch hier ein klares Minus. Da ich das Vorhandensein eines URL-Shorteners in einem Twitter-Client als Standard empfinde, gibt es dafür nun auch keinen Pluspunkt.
Auch unterstützt Gwibber anders als Choqok auch nicht die PublicTimeline und auch keine TL nur mit den eigenen Favoriten. Da ich dies nicht unbedingt nötig finde, gibt es hierfür keinen Minuspunkt für Gwibber sondern einen Pluspunkt für Choqok.

Ein weiterer Punkt der mich bei Gwibber stört, ist die Tatsache, dass er, sobald man bei einem @Reply wissen will, worauf dieser erfolgt ist, den Browser öffnet. Choqok hingegen zeigt dies direkt im Fenster an. Somit ein Pluspunkt für Choqok.

Mein Gwibber-Fazit: Die Oberfläche sieht für mich als KDE-Nutzer ungewohnt aus, ist aber ganz hübsch. Davon ab, kann Gwibber mich in keinerlei Hinsicht überzeugen. Selbst wenn ich Features wie die Amarokanbindung von Choqok als unnütze Spielerei abtue, fehlen Gwibber einfach zu viele Features, die ich schlicht erwarte.
Statt (teilweise nicht funktionierende) Untersützung für diverse Dienste anzubieten, solte man sich bei Gwibber lieber darauf konzentrieren die Featureliste deutlich zu erweitern. Auch wäre es schön, wenn Gwibber nicht so viele Python-Abhängigkeiten hätte, aber nun gut, das is ja eine reine Designentscheidung der Entwickler gewesen.

Abschließend möchte ich noch festhalten, dass beiden Clients Gwibber und Choqok eine Unterstützung für Listen fehlt. Diese solletn beide möglichst schnell nachliefern. Anonsten hat Choqok für mich aber in allen Belangen die Nase deutlich vorne, obwohl es von einem viel kleineren Entwicklerteam getragen wird und die Versionsnummern somit wesentlich langsamer hochzählen.
Und nochmals der Hinweis, der Vergleich von Gwibber erfolgt mit der Beta von Choqok für die Version 1.0.

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