Filmvorstellung: Zug des Lebens [DVD]


Nachdem ich ihn mir vorige Tage besorgt habe und er derzeit bei Talia für 6€ und bei Amazon für unter 5 Euro
verramscht wird, möchte ich hier nun einmal den Zug des Lebens vorstellen.
Dieser Film ist einfach nur genial und man sollte ihn unbedingt gesehen haben. Und gerade da stelle ich immer wieer fest, dass viele diesen Film, der 98/99 auf diversen Filmfesten diverse Preise gewonnen hat überhaupt nicht kennen.
Die Grundidee des Filmes ist ein jüdisches Dorf in Polen im Sommer 1941 das sich selbst deportiert um somit der Deportation durch die Nazis zuvor zu kommen und sich mit Hilfe eines falschen Deportatinszuges nach Palästina abzusetzen.
Zur Durchführung dieses Unterfangens gilt es zunächst aus den eigenen Reihen Leute zu “Nazis” zu wählen, die dann die deutschen Aufseher machen. -Dieses gesamte skurile Unterfangen ist kurz um völlig verrückt und abgedreht und sprüht dieser Film nur so vor Witz und Humor.


Doch auch bei allem Witz und Humor, den dieser Film mitbringt, banalisiert er zu keiner Zeit den Holocaust. Vielmehr werden den Bildern der lachenden, fröhlichen Gemeinde, die in ihrem Zug davon rauscht die Bilder des brennenden Dorfes und der brennenden Familienfotos entgegen gesetzt und auch insbesondere das Ende lässt einem das letzte Lachen beinahe im Halse stecken bleiben.
Und dennoch ist dieser Film keine der so oft gesehenen und so gut gekannten Moralgeschichten zu dem Thema.
Vielmehr ist er eine wundervolle Satire, die mit vielen liebenswerten Charackteren eine verrückte Geschichte voller Irrungen und Wirrungen erzählt.
Man sieht, wie die Juden, die die deutschen Aufseher geben sich in ihre Rollen finden, wie sich die echten Deutschen an die Fersen des Zuges hängen und auch russische Gurillias versuchen den Zug den sie für einen echten Deportationszug halten zu stoppen.
Obendrein kommt es in der Gemeinde dann auch noch zu dem Versuch einer kommunistischen Revolution.
Der Film zeigt mit viel Einfühlungsvermögen und großartigem Witz und Humor eine Lebensart, die wir deutschen versucht haben auszurotten. Zugleich hält er auch den Spiegel vor, wenn z.B. der Rabbi fragt: “…aber was wenn es doch stimmt? Was willst du morgen deinen Kindern sagen, deiner Frau: Wir haben es gewußt, aber wir haben es nicht geglaubt?”

Da ich nicht zu viel aus dem Film verraten möchte, sei hier für weitere Informationen auf diesen Wikipedia-Artikel verwiesen.
Dennoch seien mir hier ein paar Zitate ungenommen:
„Shtetl, Shtetl, Shtetele
vergiss mich nicht, mein Sthetele.
Ich stieg einst in die Eisenbahn,
um weit wegzufahren.
Shtetl, Shtetl, Shtetele
vergiss den Blick der Menschen nicht.
Denn es hält am Leben mich,
wie verrückt sie war’n,
wie wunderbar verrückt.”

(Lied von Schlomo, dem Narren)

Oder dieser geniale Dialog:
„Mordechai: Freund-schäft-liche Beziehung.
Schmecht: Freundschaftliche Beziehung.
Mordechai: Ich schaff’s nicht. Warum ist es nur so schwer?
Obwohl, … es ist dem Jiddischen sehr ähnlich. Ich verstehe alles.
Schmecht: Das Deutsche ist sehr hart, Mordechai, … präzise und traurig.
Jiddisch ist eine Parodie des Deutschen. Hat jedoch obendrein
Humor. Ich verlange also nur von Ihnen, wenn Sie perfekt Deutsch
sprechen wollen, ohne eine Spur von jiddischem Akzent,
den Humor wegzulassen. Sonst nichts.
Mordechai: Wissen die Deutschen, dass wir ihre Sprache parodieren?
Vielleicht ist das der Grund für den Krieg?

Abschließend noch hier den Kinotrailer für eine erste kleine Kostprobe:

Die ARD sagte zu diesem Film übrigens folgendes: „Autorenfilmer Radu Mihaileanu ist mit ‚Zug des Lebens‘ das Kunststück gelungen, die schreckliche Thematik der Judenvernichtung in einem intelligenten, sensiblen und dabei oft brüllend komischen ‚Rail-Movie‘ zu verarbeiten. Den Vergleich mit Roberto Benignis Film ‚Das Leben ist schön‘ braucht der ‚Zug des Lebens‘ nicht zu scheuen.“


3 thoughts on “Filmvorstellung: Zug des Lebens [DVD]

  1. Pingback: Tweets die Filmvorstellung: Zug des Lebens [DVD] : Blog von Björn (Manfred) Kraus erwähnt -- Topsy.com

  2. Klingt absolut interessant! Würde ich auch zu gern mal sehen.
    Und warum man den nicht kennt, frag ich mich auch. Also 98/99 war ich wohl noch zu jung für den Film, schließlich hatte ich da grad mal die Grundschule fertig.

  3. @Jana: Sicherlich warst du da wohl noch zu Jung. Zwar ist der Film FSK 6 aber in dem Alter dürfte man den Großteil der Handlung und des Humors nicht wirklich verstehen.
    Ich selbst habe den Film vor 5 oder 6 Jahren durch einen Kollegen kennengelernt und er gehörte damit sofort mit zu meinen Lieblingssatiren. Irgendwie hat er sogar noch den “Wag the dog” hinter sich gelassen…
    Naja und nachdem ich nun gesehen habe, dass die Talia Buchhandlung den für 6€ führt und Amazon den sogar noch für unter 5€ ruashaut konnte ich einfach nicht widerstehen.

    Da ich ja auch weiß, dass du nicht unbedingt über ein riesen Einkommen verfügst, sei hier noch darauf hingewiesen, dass dieser Film auch immer wieder von einem der “Dritten” im Nachtprogramm gezeigt wird…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>