Heute war Verabschiedung unseres stellvertretenden Chefs und irgendwie ist das jetzt ein merkwürdiges Gefühl.
Denn irgendwie weiß ich jetzt schon, dass ich ihn vermissen werde und er ein deutliches Loch hinterlassen wird.
Meine alte Chefin ist ja schon länger weg und ihr Nachfolger ist auf jeden Fall ein Sechser im Lotto für die Firma und die Belegschaft, aber trotzdem wird mir mein stellvertretender Chef ab morgen fehlen.
Es ist jetzt weniger so, dass ich Angst darum hätte, dass uns ohne ihn der Laden um die Ohren fliegen wird. Diesbezüglich ist fast jeder ersätzlich und haben wir ja auch alle genug Erfahrung um unseren Job zu kennen und zu wissen, was wir tuen müssen.
Nein, er wird mir vielmehr auf der menschlichen Ebene fehlen.
Ich werde mich da erst noch dran gewöhnen müssen, dass sein Stuhl im büro die nächste Zeit leer sein wird und er selbst dort wohl nie wieder sitzen wird.
Das wird vom Gefühl und vom menschlichen her auf jeden Fall eine Umgewöhnung werden.
Schließlich habe ich fast 8 Jahre mit dem Mann zusammen gearbeitet und war 6 fast 7 Jahre lang mit ihm per Du. Ich kannte die meisten seiner Verhaltensweisen und wußte meist schon im Vorfeld, wie er reagieren wird. Auch konnte ich mich mit ihm auch immer wieder mal über privates und Hobbys unterhalten. Kurz, ja er war Chef, aber er war auch Mensch. Wenn er das nicht sogar zuvorderst war.
Für mich persönlich bedeutet sein Weggang nun auch, das ein kleines Stück Heimat auf meinem Arbeitsplatz gestorben ist. Mit wem frötzel ich denn demnächst rum? Und wer regt sich ähnlich schön wie ich auf, wenn er in die Kühlhäuser geht und das Chaos sieht, dass mich dort immer wieder verzweifeln lässt?
Wer erzählt mir denn demnächst in den Leerlaufzeiten irgendwelche Dinge, die ich eigentlich niemals wissen wollte? Und wer hört sich all den Scheiß an, den ich so nebenher zu erzählen habe?
Und wer is demnächst der merkwürdige Kerl, der zwar die halbe Belegschaft zum Feierabendbier in die Kneipe fährt, sich aber standhaft weigert, selber einmal mitzukommen und sich auch einmal einen schönen Abend zu machen?
Irgendwie wird es für mich demnächst anders sein auf der Arbeit. Und irgendwie wird es demnächst menschlich für mich ein kleines Stückschen leerer sein.
Aber zum Glück, habe ich ja noch all die Erinnerungen an die Zeit, die wir zusammen gearbeitet haben und ist seine neue Stelle nun auch nicht auf dem Mond, so dass es mir vielleicht doch gelingt, ihn zwar als Chef zu verlieren, aber nicht als Mensch.
Die Zeit wird es zeigen.
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