Vor ein paar Tagen habe ich ja schon zum Weißabgleich geschrieben. Da in den Kommentaren von Timo der Wunsch geäußert wurde, dass ich doch bitte noch einmal die Benutzung von Grau/Weißkarten etwas genauer erklären möge, möchte ich diesem Wunsch nun nachkommen.
Hierzu sei zunächst noch einmal angemerkt, dass die Grau/Weißkarten eine Doppelfunktion erfüllen. Die graue Seite dient vornehmlich der Belichtungsmessung und interessiert uns insofern in diesem Zusammenhang nicht weiter. die weiße Seite hingegen dient dem manuellen Weißabgleich. Insofern werde ich im folgenden auch nur noch von Weißkarten sprechen.
Wie gesagt, dient eine Weißkarte dem manuellen Weißabgleich. Bei der Automatik und/oder einer Halbautomatik bringt sie insofern nicht wirklich was.
Insofern ist es für die Verwendung einer Weißkarte unerlässlich, dass man weiß, wie man an seiner Kamera den manuellen Weißabgleich durchführt. Da dies von Herrsteller zu Herrsteller und von Modell zu Modell durchaus unterschiedlich sein kann, will und kann dieser Artikel im Zweifelsfalle nicht den Blick in das Benutzerhandbuch der eigenen Kamera ersetzen. Eine Hilfe zum Einstieg in die Materie, die die sich bietenden Möglichkeiten aufzeigt, kann und will dieser Artikel hingegen schon sein.
Wenn man an seiner Kamera die Möglichkeit zum manuellen Weißabgleich hat, und jede moderne Kamera außer die absoluten Billigmodelle, die nicht mala ihren verschwindend geringen Preis wert sind, bietet heute diese Möglichkeit, muss man seine Kamera zunächt natürlich auf diese Funktion stellen.
Die gängige Art eine Weißkarte zu benutzen besteht nun darin, dass man die Weißkarte in das Bild hällt. Dabei sollte man darauf achten, dass man sie nicht unbedingt direkt vor das Objektiv hällt. Zur Not geht dies zwar auch, aber die Ergebnisse sind nicht ganz optimal. Besser ist es hier, wenn die Karte etwas weiter weg ist, da die Lichtverhältnisse hier eher den realen Umstanden entsprechen und die Karte nicht im Schatten des Fotografen hängt etc. Wenn man z.B. gerade ein Portrait anfertigt, ist es empfehlenswert, wenn man das Modell die Weißkarte vors Gesicht halten lässt und dann darauf den Weißabgleich durchführt. Auch ansonsten ist es von Vorteil, die Weißkarte so nahe wie möglich in die Nähe des Motivs zu bringen.
An belebten Plätzen ist dies natürlich eher nicht möglich. In diesem Fall bleibt einen dann nur die Möglichkeit, seinen Arm möglichst lang zu machen und die Karte ins Bild zu halten.
Wie auch immer man dies nun erreicht, führt man nun wie gesagt, den Weißabgleich auf die Karte durch. Bei meiner Kamera ist es z.B. so, dass auf dem Display wenn ich auf den manuellen Weißabgleich stelle ein Fadenkreuz erscheint, mit dem ich dann auf die Karte ziele und anschließend die Menü-Taste drücke, woraufhin die Kamera den Weißabgleich durchführt. Aber wie bereits erwähnt, kann diese Methode sich von Kamera zu Kamera unterscheiden, weshalb das Handbuch eben unerlässlich hierfür ist.
Davon ab sei an dieser Stelle aber auch noch angemerkt, dass dieses ganze Verfahren durchaus eine gewisse Zeit dauern kann, weshalb es sich eher für unbewegte Motive eignet, oder eben für Portraits, wo einem die entsprechende Person bewußt Modell steht. Für bewegte, flüchtige Motive ist diese Vorgehensweise nicht zu empfehlen, da dann das Motiv bereits weg ist, bevor man endlich auf den Auslöser drücken kann. Und in einer solchen Situation hat man dann auch nichts mehr davon, dass man absolut stimmige Farben hat. hier wäre man dann mit der Automatik und/oder einer der Halbautomatiken besser bedient.
Aber zurück zum Weißabgleich mit der Weißkarte.
Bei manchen Kameras ist es so, dass sie sich beim manuellen Weißabgleich die Werte nicht merken. Sprich man kann zwar ein farbechtes Foto von der Weißkarte anfertigen beim nächsten Bild, wenn man die Weißkarte nicht mehr im Bild hat, stimmen die Farben aber wieder nicht mehr. (Und ich habe wirklich keine Ahnung, wie man solche Fehlkonstruktionen bauen konnte. Betroffen sind hiervon aber eher die Modelle der Kompaktklasse und auch dort nur die Modelle einiger weniger Herrsteller.)
Aber auch in einem solchen Fall kann einem die Weißkarte noch nützliche Dienste erweisen. Allerdings ist dann darüber hinaus auch die Verwendung eines Stativs zu empfehlen.
Die Vorgehnsweise sieht dann so aus, dass man beim ersten Foto, quasi als Referenzbild die Weißkarte mit in das Bild hällt und im Anschluß daran das Foto ohne Weißkarte im Bild wiederhohlt.
Später geht man dann am Rechner hin und öffnet als erstes das Referenzbild in dem die Weißkarte abgebildet ist. Hierauf führt man dann einen manuellen Weißabgleich durch, indem man mit der Pinpette einen Weißpunkt aufnimmt. Die meisten Programme zeigen einen hierbei dann nämlich auch die Werte für Farbtemperatur und Grünanteil an. Diese notiert man sich und öffnet anschließend das eigentliche Foto. Das einzige was man nun noch tuen muss ist die gerade notierten Werte per Hand auf das Foto zu übertragen und schon hat man auch hier wieder stimmige Farben.
Abschließend sei noch angemerkt, dass gerade für die zuletzt beschriebene Methode das Fotografieren im RAW-Format von Vorteil ist, da man hier dann schlichtweg für den Weißabgleich größere Informationsreserven hat und somit auch insgesamt freier ist in der Gestaltung der Farbstimmung.
Ich hoffe, dass dieser Artikel als Einstieg in die Arbeit mit einer Grau/Weißkarte hilfreich ist, würde mich aber auch auf jeden Fall über Kritik und Anregungen freuen.
Und das wichtigste bleibt natürlich das Spaß an der Fotografie und in diesem Sinne: Viel Spaß und gute Fotos euch allen.