Unter Windows 7 mehr Auswahl bei den Browsern – oder wie man das Problem nicht sieht

Basicthinking brachte gestern einen Artikel zu dem Thema, wie bei Windows 7 der so genannte “Ballot-Screen” durch eine zufällige Anordnung der Browser-Auswahl dafür sorgen soll, dass das Geschäft mit den Browsern auch unter Windows ein klein wenig bunter und lebhafter wird und der IE eben nicht mehr der Standard-Browser per se ist.
Hierrüber entzündete sich dann auch in den Kommentaren eine recht lebhafte Diskussion. Wobei es mich persönlich dann doch nach wie vor ein wenig wundert, dass anscheinend niemand das eigentliche Problem sieht.


Denn so störend es auch sein mag, dass unter Windows der IE immer schon vorinstalliert und der Standard-Browser war, den man auch gar nicht mehr so ohne weiteres deinstallieren konnte, und so sehr das auch den Browsermarkt verzerrt haben mag.
Das eigentliche Problem ist doch eher das, dass es äußerst schwierig ist, einen PC zu kaufen, ohne das Windows bereits vorinstalliert ist und mit den Kosten schlichtweg im Preis des PCs versteckt ist.
Insofern wäre es eigentlich nun wirklich konsequent von der EU gewesen, diese Zwangskäufe zu unterbinden. Denn nichts anderes ist dies schließlich.
Gut, es gibt Möglichkeiten, einen PC ohne Betriebssystem zu kaufen. Es gibt sogar Möglichkeiten einen PC mit alternativem Betriebssystem zu kaufen, aber dennoch: Der DAU macht sich hier schlichtweg keine Gedanken drum, da er eh keine Ahnung hat.
Und genau darauf fußt das Monopol von MS. Und dieses Monopol muss aufgebrochen werden.
Es wäre insofern also eigentlich nur konsequent, wenn man PCs demnächst nur noch so verkaufen dürfte, dass man die “nackte” Hardware anbietet und deren Preis nennt.


Dieser Preis wäre dann quasi der Basispreis. Da es jedoch viele Menschen gibt, die absolute DAUs sind und an der Installation eines Betriebssystems (simpel und einfach wie dies heutzutage auch immer sein mag) gnadenlos scheitern dürften, kann man dann natürlich weiterhin anbieten, den PC mit einem vorinstalliertem Betriebssystem zu liefen. Dieses sollte jedoch nicht automatisch Windows sein und es sollte Kostentransparenz herrschen. Sprich wenn man einen PC kauft, sollte man gesagt bekommen: “Das hier ist der Basispreis, das kostet der PC an sich.” Und nun sollte man dann die verschiedenen Angebote bekommen, was man sich installieren lassen kann. Also z.B. Windows 7 zu folgendem Aufpreis. Solaris zu diesem Aufbpreis, Linux kostet dann so und so viel mehr (den Stundenlohn des Mitarbeiters, der die Bestellung eingibt).
Es würde also darum gehen, dass der Käufer selber entscheiden kann, was er kaufen will und es für ihn auch klar ist, was von dem was er da kauft wie viel kostet.
Der Kunde würde also wieder mündig gemacht.
Sicherlich würde das nicht automatisch die Monopolstellung von Windows brechen, aber es würde anderen Betriebssystemen, von denen es ja durchaus genügend gibt, erstmals eine faire Chance geben.
Und vor allem, der Kunde hätte endlich mal wieder eine wirklich FREIE Wahl.
Denn welche Willensfreiheit habe ich denn heute, wenn ich z.B. nach Saturn oder sonstwo hin gehe???
Ich kann den fertigen PC mit Windoof kaufen, oder es eben lassen. Schlicht und simpel. Aber eine andere Möglichkeit habe ich da nicht.
Dabei stört mich selbst das gar nicht allzusehr. Denn Möglichkeiten habe ich ja sehr wohl. Ich lasse die Ware dann einfach im Laden stehen und kaufe bei einem der kleinen Anbieter, die mir einen PC auch ohne Betriebssystem verkaufen und kümmere mich um den Rest dann eben selbst.
Aber die DAUs, welche ja die Mehrheit der PC-Nutzer stellen, tuen dies nicht. Die kaufen dann den PC, da sie ihre Alternativen ja noch nicht einmal kennen. Teilweise nichtmals wissen, das es da welche gibt.

Insofern ist es meine feste Überzeugung, dass man dieser Praxis einen Riegel vorschieben sollte, indem man die Entscheidung über das Betriebssystem vom Herrsteller weg nimmt und wieder dem Kunden in die Hand gibt.
Denn dadurch würde ein lebendigerer Markt entstehen, auf dem die Chancen fairer verteilt wären. Und diese ganze leidige Diskussion über den IE als Standard-Browser unter Windows hätte sich ganz nebenbei erledigt…

Ähnliche Artikel

One Comment

  • [...] Verfasst von Björn Manfred Kraus am Dezember 15, 2009 Basicthinking brachte gestern einen Artikel zu dem Thema, wie bei Windows 7 der so genannte „Ballot-Screen“ durch eine zufällige Anordnung der Browser-Auswahl dafür sorgen soll, dass das Geschäft mit den Browsern auch unter Windows ein klein wenig bunter und lebhafter wird und der IE eben nicht mehr der Standard-Browser per se ist. Hierrüber entzündete sich dann auch in den Kommentaren eine recht lebhafte Diskussion. Wobei es mich persönlich dann doch nach wie vor ein wenig wundert, dass anscheinend niemand das eigentliche Problem sieht. Diesen Artikel weiterlesen. [...]

Leave a Reply

Your email is never shared.Required fields are marked *