Piraten Partei: Zeit für eine Stellungnahme


Wähle Piraten!

Die Piraten Partei spielt ja zumindest im internetbasierten Wahlkampf eine durchaus bedeutende Rolle und hat u.a. durch die Diskussion um die von Frau von der Leyen angestrebten Internetsperren, sowie ihrem verhältnismäßig gutem Ergebnisvon 0,9% bei der Europawahl eine recht große Bekanntheit erlangt.
Sie stellt für viele, die sich regelmäßig im Internet bewegen und sich von den etablierten Parteien nicht mehr verstanden fühlen eine ernsthafte Alternative dar. Insbesondere, da die Piraten nun ja auch in 15 Bundesländern zur Bundestagswahl zugelassen sind.
Allerdings hat es auch in der jüngeren Vergangenheit wiederholt Kritik an der Partei gegeben. Insofern ist es für mich nun auch einmal an der Zeit zu den ganzen Entwicklungen Stellung zu nehmen und eine persönliche Bilanz zu ziehen.


In den Themen und den Forderungen der Piraten Partei finde ich mich selbst durchaus wieder, was sie für mich zunächst einmal zu einer echten Alternative macht und weshalb ich sie auch bei der Europawahl gewählt habe. Und auch bei der bevorstehenden Bundestagswahl werde ich wohl die Piraten Partei wählen. So sie sich denn bis dahin nicht noch einen weiteren Skandal leistet. Denn so manches, was in der letzten Zeit passiert ist, fand ich dann doch etwas schwer verdaulich, auch wenn ich mich mit einer abwartenden Haltung in der Diskussion zunächst bedeckt hielt. So war z.B. die Affäre Bodo Thiessen absolut grenzwertig. So etwas darf einer demokratischen Partei in Deutschland einfach nicht passieren. Zum Glück haben die Piraten in der Sache dann doch noch in der letzten Sekunde die Kurve gekriegt.
Dennoch scheinen die braunen Flecken bei den Piraten durchaus etwas weiter zu gehen und werden sie dafür u.a. hier auch regelmäßig dafür kritisiert. Meiner Meinung nach völlig zu Recht. Wie gesagt, so etwas darf einer demokratischen Partei in Deutschland nicht passieren.
Allerdings bin ich hier auch durchaus noch bereit abwartend zu beobachten, da die Piraten noch eine recht junge Partei sind, die hier erst noch den Umgang mit diesen Phänomenen lernen muss. Auch die jungen Grünen wurden damals vom braunen Sumpf unterwandert und habensich diesbezüglich erst finden müssen.
Noch hoffe ich einfach, dass die Piraten hier ebenfalls schnell lernen und deutlich Flagge zeigen werden.
Und auch bei der Sache Tauss, die von den Piraten so sehr gefeiert wurde, bin ich bisher eher skeptisch. Zwar kann ich die Freude darüber einen Bundestagsabgeordneten ‘geerbt’ zu haben durchaus verstehen. Allerdings wirkt diese Freude doch eher unreflektiert, wenn man bedenkt, dass gegen Tauss ein Ermittlungsverfahren läuft.
Ich möchte hier nun nicht in die Schuldfrage einsteigen und gilt von meiner Seite aus hier auch eindeutig die Unschuldsvermutung. Dennoch habe ich einfach meine Zweifel, ob diese Fall sich nicht negativ auf den Wahlkampf auswirken wird, wenn es hierzu ersteinmal entsprechende negative Presse gibt. Tauss ist für den politischen Gegner einfach ein gefundenes Fressen… Naja; es bleibt halt abzuwarten, wie sich diese Angelegenheit entwickeln wird.


Abgesehen von diesen, durchaus berechtigten, Kritikpunkten halte ich die Piraten Partei allerdings nach wie vor für die Partei, die am ehesten im 21.Jahrhundert angekommen ist und die Bedürfnisse der jungen Generation, die mit dem Internet groß geworden ist, einfach am besten vertritt. Auch finde ich ihr Eintreten für mehr Privatsphäre in unserer heutigen Zeit des “Gläsernen Bürgers” sehr, sehr wichtig und richtig.
Und genau deshalb sind sie für mich nach wie vor eine Alternative bei der Bundestagswahl. Auch wenn mein Blick durch die letzten Skandale sicherlich deutlich kritischer geworden ist.
Womit ich allerdings auch schon zu dem nächsten Problem komme, dass ich bei den Piraten sehe. Sie machen zwar den besten Internet-Wahlkampf und schaffen es hier wirklich ihre potentiellen Wähler zu mobilisieren. Sie schaffen es jedoch bislang nicht, außerhalb des Internets einen nennenswerten Wahlkampf zu organisieren.
Was außerordentlich schade ist. Denn nur mit dem Internet werden sich keine Wahlen gewinnen lassen. Die Piraten müssten vielmehr in einem klassischen Wahlkampf ihr Anliegen in die breite Masse tragen.
Schleißlich werden in unserem Land Wahlen noch immer mit den CDU-treuen Rentner gewonnen. So bedauerlich das auch immer sein mag.
Ich habe hier einfach meine Zweifel, dass die gute Präsenz im Netz und der damit verbundene Wahlkampf alleine ausreichen werden, für ein gutes Wahlergebnis bei der Bundestagswahl.
Aber mal abwarten. Vielleicht tut sich ja auch hier noch etwas und vielleicht sind es ja auch die Anhänger und Unterstützer der Piraten im Internet, die nicht der Partei angehören, die am Ende den Wahlkampf der Piraten auf die Straße tragen.
Schön fände ich dies auf jeden Fall.
Wer sich nun erst noch einmal grundlegend über die Piraten informieren muss/möchte, findet hier den Wikipädia-Artikel.

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