Die Deutsche Bahn ist schon einfach ein tolles Unternehmen, bei dem man immer wieder ernsthaft zu hoffen beginnt, dass es Konkurs geht, noch bevor der Börsengang allzu ernsthaft geplant werden konnte. Jedoch weiß man ja, dass dies alleine aufgrund der Bezuschusterung mit Steuergeldern eine Hoffnung bleiben wird.
Wie dem auch sei, in den letzten Tagen begann ich bereits mich ernsthaft über die relative Pünktlichkeit der Bahn zu wundern. Über eine Woche lang hatte jeder Zug, den ich benutzen musste lediglich 5 bis 15 Minuten Verspätung. Einzelne kamen sogar pünktlich. Insofern war der alltägliche Pendlerwahnsinn zuletzt sogar trotz der Bahn recht planbar zu bewältigen.
Es hätte mir eigentlich klar sein müssen, dass es so nicht weiter gehen konnte.
Und so kam es dann auch, dass ich heute morgen in MH am hbf ankam und aufgrund meiner verspäteten Straßenbahn den Anschlußzug verpasst hatte. Was an sich aber auch nicht weiter wild war, da ich zwar heute absolut pünktlich an der Uni sein musst, da ein Referat anstand, eine S-Bahn später aber immernoch völlig gereicht hätte. Also bin ich mir erstmal nen Kaffee holen gegangen, um dann bei meiner Rückkehr zum Gleis die böse Überraschung zu erleben.
Die S1 um 07:35 fällt “aufgrund eines Schadens am Triebfahrzeug heute leider aus.” Die S1 um 07:55 (welche für mich eigentlich eh schon zu spät gewesen wäre), hat “heute aufgrund von Verzögerungen im Betriebsablauf 20 Minuten Verspätung.” Eine Formulierung, die bei mir mal wieder die Frage auslösste, was bei einem 20-Minuten-Takt eigentlich der Unterschied zwischen einem Ausfall und 20 Minuten Verspätung ist. Eine Frage, deren Antwort wohl nur die Bahn kennt.
Naja, auf jeden Fall war sie da wieder. Meine ach so geliebte Deutsche Bahn, genauso, wie man sie aus dem Alltag kennt. Genauso verlässlich wie der Sechser im Lotto…
Zum Glück konnte ich ja noch auf den RE1 nach Dortmund ausweichen und dann darauf hoffen, dass die S1 für 08:14 Verspätung hat, so dass ich dann doch noch halbwegs pünktlich an der Uni sein würde.
Und in der Tat hatte die S1 auch in Dortmund Verspätung, so dass ich die Chance hatte, durch das Gedrängel am Dortmunder hbf zum anderem Gleis rüber zu rennen und mich noch schnell mit in die S-Bahn zu quetschen.
Und quetschen war hier mal wieder das richtige Wort. In der S1 ging es wieder einmal zu, wie in einem Tiertransporter, bevor die EU die Rechte der Tiere entdeckt hat und derartige Misstände durch neue Richtlinien abgeschafft hat.
Wie dem auch sei, für die nächsten 10 Minuten sollte mir halt lediglich eine Grundfläche von ca einem DinA5 Blatt zur Verfügung stehen, was dazu führte, dass ich ein klein wenig neidisch wurde, auf die Hühner in einer Legebatterie, die wenigstens die Fläche einer DinA4 Seite zur Verfügung haben…
Zum Glück sollte dieses fragwürdige, und mit der Fahrkarte viel zu teuer bezahlte, Unterfangen nach 10 Minuten endlich vorbei sein, so dass mir nun nichts weiter zu tun bleibt, als mich auf meine nächste Fahrt mit der Bahn zu freuen, wenn es wie immer heißt: “Die Bahn kommt. Es fragt sich nur wann.”
Ja ja, die gute alte S1! Die wird eigentlich nur überboten durch die A40 in Essen während des Berufsverkehrs!
“[...] dass ich ein klein wenig neidisch wurde, auf die Hühner in einer Legebatterie [...]”
Muahahahaha!!